Was ist ein Trauma?

Für mich ist die Verbindung zwischen Trauma und der Fähigkeit sich körperlich, mental und emotional komplett auf das Pferd beim Reiten einzulassen mittlerweile glasklar. Aber wenn mich jemand fragt, was ich beruflich so mache und ich sage: "Ich bin Expertin für Trauma, neurozentrierte Körperarbeit und Achtsamkeit. Ich eröffne Räume für Veränderung von Mensch und Pferd", dann merke ich, dass es ein bisschen Erklärung bedarf und genau deswegen starte ich heute diesen Blog. Ich werde Dir erklären was mich in den letzten 20 Jahren angetrieben hat und welche Erkenntnisse der modernen Traumaforschung in die Entwicklung meiner Angebote für Reiter eingegangen sind, so dass diese heute in ihrer Art einzigartig sind. 

Was ist ein Trauma?

Ist es die eine große Sache, die in der Vergangenheit passiert ist, an die Du dich erinnern kannst, es aber nicht gern tust? Oder hast Du nur ein vages Gefühl, dass irgendwas in Deiner Kindheit gewesen sein muss, aber Du weisst nicht was? Vielleicht sind es auch viele kleine Tropfen, die Dein inneres Fass immer mehr füllen und Du kannst spüren, dass es bald überläuft?! Mehr über Schocktrauma und Beziehungstrauma zu wissen, wird Dir helfen zu erkennen, ob auch Du betroffen bist. Viele Prozesse in Deinem Kopf und Körper laufen unbewusst ab, so auch die Folgen von Trauma. Und vielleicht leidest Du im Stillen, bist unglücklich in Deinem Leben, erlebst immer wieder die selben Herausforderungen in Beziehungen und kannst fühlen, dass etwas in der Tiefe nicht stimmig ist. Dich mit dem Thema Trauma auseinanderzusetzen, kann der Schlüssel sein!

Schocktrauma

Die große Frage ist: Was macht aus einer Situation eine traumatische Lebenserfahrung?

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Dr. David Berceli (USA), der Begründer der TRE®-Methode von dem ich persönlich ausgebildet wurde, definiert Trauma als jede Lebenssituation in der Dein Bewältigungsmechanismus von Kopf und Körper keine Antwort mehr hat. 

Trauma Reaktion Flucht oder Kampf?

Ich gebe Dir mal ein ganz einfaches Beispiel: Du bist im Supermarkt und willst Dich an der Kasse anstellen, als sich jemand zielstrebig vor Dich schiebt. 

 


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Du hast zwei Möglichkeiten: 

1) Flucht und 2) Kampf, vielleicht klingt das jetzt dramatisch, aber tatsächlich sind das tief in uns liegende Mechanismen, die in einem Moment der 

Sprachlosigkeit von Kopf und Körper und dem Gefühl von 'was mach ich jetzt bloß' von Deinem Gehirn als mögliche Optionen vorgeschlagen werden.

 

Flucht würde in so einer Situation bedeuten nochmal umzudrehen und etwas zu holen, aber eben nicht weil Du etwas brauchst, sondern einfach weil Du der Situation und der Konfrontation aus dem Weg gehen willst. Die zweite Variante wäre Kampf und bedeutet die direkte Ansprache und das bewusste in Kauf nehmen einer möglichen Eskalation. Sollte Dich die Situation sogar sehr stressen, hätte Dein Gehirn noch die Option Deinen Körper erstarren zu lassen. Diese Erstarrung kommt oft mit einer Sprachlosigkeit in Kombination. 

Traumaintegration

Du kannst für Dich einmal überlegen, wie Du in stressigen Situationen reagierst. Entfernst Du dich eher aus solchen Situationen? Versuchst Du zu harmonisieren? Ziehst Du dich körperlich, mental oder emotional zurück, um Deine Ruhe zu haben? Oder reagierst Du genau anders herum? Suchst Du die Konfrontation oder den Streit? Hast Du manchmal das Gefühl körperlich, mental oder emotional, das Angriff die beste Verteidigung? Wenn Du erkennst welches Reaktionsmuster tief in Dir verankert ist, ist das bereits ein großer Schritt der Bewusstwerdung und Traumaintegration. Vielleicht gelingt es Dir sogar in Bezug auf Dein Pferd und Reiterleben gewisse Muster zu erkennen. 

Bindungstrauma

es ist nicht sicher ich zu sein

Bei einem Bindungstrauma (wird auch Entwicklungstrauma oder Beziehungstrauma genannt) gibt es oft nicht die eine traumatische Lebenserfahrung wie bei einem Schocktrauma, die alles verändert hat und nach der nichts mehr war wie vorher, sondern Bindungstraumen entstehen oft schleichend in unserer Kindheit. Bei einem Bindungstrauma erlebt das Kind, dass es nahestehenden Personen (oft die Eltern) nichts recht machen kann. Daraus entwickelt sich eine tiefe Verunsicherung und das Gefühl 'falsch zu sein'. Stück für Stück speichert der Organismus alle gemachten Erfahrungen und kommt zu dem Schluss, dass es nicht sicher ist man selbst zu sein. Das Kind hat dann zwei Optionen: 1) Sich trennen! Es entscheidet sich für die Autonomie und entfernt sich emotional von seinen Eltern, oder 2) Sich anpassen! Es passt sich an, damit die Beziehung bestehen bleiben kann. Für den Moment und die Sicherung des Überlebens ist das eine schlaue Reaktion, aber im weiteren Verlauf des Menschen, der nun erwachsen wird, zeigen sich oft Bindungsstörungen, destruktive Beziehungsmuster, mangelnder Selbstwert und eine tiefe innere Verunsicherung. Bindungstraumata sind oft nicht bewusst, es entsteht ein stilles Leiden und oft entwickeln betroffene Menschen Scham und Selbstzweifel, weil sie nicht verstehen warum es ihnen nicht gut geht. Diese mentalen und emotionalen Reaktionen kommen oft in Verbindung mit Verspannungen, depressiven Verstimmungen und Antriebslosigkeit. Der Weg aus diesem Zustand kann nur gelingen, wenn der Mensch wieder erlebt, dass es sicher ist er selbst zu sein. 

Die absolute Priorität Deines Gehirns ist es Dein Überleben zu sichern.

Wie Du Dich dabei fühlst oder mit welchen Nebenwirkungen Du überlebst ist Deinem Gehirn, vereinfacht gesagt, dabei egal.

Das Körpergedächtnis speichert alles!

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Dein Gehirn speichert diese Erfahrungen, um ggfs. bei Bedarf auf sie zurück greifen zu können. Das macht aus Sicht des Gehirns Sinn, aber es kann oft sehr einschränkend auf Dich und Deine Lebensqualität wirken, da Dein Gehirn versucht in Zukunft bestimmte Trigger, also Auslöser für Stress oder eine Retraumatisierung zu verhindern. Oft führt das in Deinem Leben zu einem 'Reagieren' anstatt eines 'Agierens'. Es kann für Dich das Gefühl entstehen fremdgesteuert und nicht eigenbestimmt zu leben. Wenn Dein Körper mit Erstarrung und Dissoziation in der Vergangenheit reagiert hat, ist es möglich, dass er dieses Reaktionsmuster beibehalten hat und als weitere Sicherheitsvariante nutzt.

Unter einer Dissoziation versteht man das 'sich heraus ziehen aus dem Körper'.

Unfallopfer beschreiben zum Beispiel, dass sie die Unfallstelle aus Sicht eines Zuschauers von Außen gesehen haben. Es kann aber auch bedeuten, dass durch die Schockenergie im Körper Schmerzen, Blutungen oder der Verlust eines Körperteils nicht mehr wahrgenommen werden können. 

Situationen die körperlich, mental oder emotional zu schmerzhaft sind und nicht bewältigt werden können, rufen oft einen Zustand der Dissoziation hervor.

Eine Dissoziationsstörung kann oft noch Jahre später vom Gehirn als Lösung für schwierige Situationen angewendet werden oder sogar im Alltag fest integriert sein, wenn die aktuellen Stressoren oder Trigger des Alltags zu stark präsent sind. Eine Dissoziationsstörung kann sich auch bemerkbar machen indem Reiter ihr Pferd nur schwer körperlich fühlen können, sich also permanent unsicher sind, ob etwas gut oder schlecht ist. 

 

Eine emotionale Kälte oder Gleichgültigkeit dem Pferd oder Situationen gegenüber, kann auch ihren Ursprung in traumatischen Lebensereignissen haben.  Zum Thema Herzoffenheit habe ich eine Kakao-Meditation für Reiter aufgenommen, die Audio kannst Du hier kaufen.

 

Möchtest Du mehr über das Thema 'Das Körpergedächtnis sitzt mit im Sattel' erfahren? Dann klicke hier und schau meinen Vortrag für 0€. 

 

Im nächsten Blog Beitrag werde ich noch tiefer in das Thema einsteigen und darüber sprechen, wie Stress und Trauma auf Deinen Körper und Deine Muskulatur wirkt und welche Auswirkungen das auf Dich und Dein Pferd hat 🐴❤️.

 

Kennst Du schon meinen Podcast Sitzkunst: Reiten mit Kopf und Körper? Hör doch mal rein! Hier geht's lang. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Fabienne (Dienstag, 31 Januar 2023 20:49)

    Das ist eine hilfreiche Erklärung zu Trauma, danke! Es ist aber schon noch schwierig zu definieren, ob ich nun ein Trauma habe oder nicht? Wie ein Unfall oder schlimmes Ereignis mein Körper abgespeichert haben könnte. Verspannungen oder Erstarrung kann man ja auch aus anderen Gründen haben. Danke für dein Wirken. Liebe Grüsse